Angesiedelt im fiebrigen, dekadenten Zwielicht des Jahres 1929 ist Babylon Berlin die bis heute aufwendigste Fernsehproduktion der deutschen Mediengeschichte. Unter der Regie von Tom Tykwer (Lola rennt), Achim von Borries und Henk Handloegten entstanden meisterhafte Adaptionen der Gereon-Rath-Romane von Volker Kutscher – ein berauschendes Sittengemälde einer Gesellschaft im Taumel vor dem totalitären Abgrund.

Im Zentrum steht Kriminalkommissar Gereon Rath (Volker Bruch), ein Kölner Sittendezernent, der an die legendäre Berliner Polizeizentrale am Alexanderplatz – die „Rote Burg“ – versetzt wird. Rath ist kein unerschütterlicher Hardboiled-Detektiv; er ist ein versehrter Heimkehrer von der Westfront, der unter akutem Kriegszittern (PTBS) leidet und seine Panikattacken heimlich mit Morphium betäubt.

Das Zittern der Front und die Morphium-Abhängigkeit

Raths physische Zusammenbrüche sind das akustische und visuelle Leitmotiv der Serie:

  • Das Stigma des psychischen Traumas: In der militaristisch geprägten Weimarer Polizei galt seelische Erschütterung als Charakterschwäche. Raths Verzweiflung, seine Sucht vor Vorgesetzten zu verbergen, spiegelt das kollektive Verdrängen der Kriegsniederlage von 1918 wider.
  • Die Schuld an Bruder Anno: Dass Gereon seinen schwer verwundeten Bruder im Niemandsland zurücklassen musste, zerrüttet sein Gewissen und mündet in unvorhersehbare Verwicklungen, als Anno unter falscher Identität wiederkehrt.

Tykwer befreit das Historiendrama von jeglicher Museumsstaubigkeit: Vom proletarischen Neukölln bis zur Rauschbühne des Moka Efti pulsiert das Berlin der Goldenen Zwanziger in atemberaubender Intensität. In Babylon Berlin ist der Noir kein bloßer Stil, sondern der Abgesang auf die Weimarer Demokratie.