Unter den bemerkenswerten Persönlichkeiten, die Eli Bells Kindheit in Boy Swallows Universe begleiten, bricht keine Figur die Erwartungen des Publikums so feinsinnig wie Arthur „Slim“ Halliday. Dargestellt mit warmer Gelassenheit von der australischen Schauspiellegende Bryan Brown, wird Slim nicht als furchterregender Krimineller eingeführt, sondern als liebevoller Ersatzgroßvater und verlässlicher Beschützer für Eli und seinen stummen Bruder Gus.
Viele internationale Zuschauer halten Slim Halliday für eine rein literarische Erfindung des Autors Trent Dalton. In Wahrheit war Arthur Ernest Halliday eine reale Legende der australischen Nachkriegsgeschichte: der berühmte „Houdini von Boggo Road“, dem gleich zwei spektakuläre Fluchten aus Brisbanes berüchtigtem Hochsicherheitsgefängnis gelangen.
Die Fluchten aus dem Boggo-Road-Gefängnis: 1939 und 1946
Das im Dutton Park südlich des Brisbane River gelegene Boggo-Road-Gefängnis war gefürchtet für sein unbarmherziges Disziplinarregime und seine mächtigen Mauern aus rotem Backstein. Eine Flucht galt als praktisch unmöglich – bis Halliday eintraf:
- Die Kletterpartie von 1939: Mit außergewöhnlicher Gewandtheit und geduldiger Beobachtung der Wachrundgänge entkam Halliday 1939 zum ersten Mal. Mithilfe kleiner Blechstreifen und Drahtanker, die er in Mauerritzen verkeilte, erklomm er während eines Tropensturms die Außenmauer.
- Das Verschwinden von 1946: Nach seiner Ergreifung in strenge Einzelhaft verlegt, plante er im Dezember 1946 einen zweiten Ausbruch. Unter Verwendung eines Besenstiels, alter Rohre und Seilen aus grobem Leinenstoff überwand er die Wachtürme und tauchte wochenlang im dichten Buschland unter.
Seine Ausbrüche machten ihn in der Arbeiterschaft zur populären Legende – zu einem Mann, dessen einziger Widerstand darin bestand, sich nicht von einem unbarmherzigen Strafvollzug brechen zu lassen.
Die Verbindung zu Dalton: Ein Babysitter mit Vorstrafen
Daltons Einbindung von Halliday entspringt seinen eigenen Kindheitserinnerungen in Darra. Nach seiner endgültigen Entlassung in den 1970er Jahren lebte der betagte Halliday in Brisbanes Vororten, verdingte sich als Gelegenheitsarbeiter und wurde ein geschätzter Nachbar und Beschützer der Dalton-Brüder.
In der Serie fängt Regisseur Bharat Nalluri diese Konstellation mit großer Zärtlichkeit ein. Slim bringt Eli nützliche Überlebenskniffe bei, doch seine wichtigsten Lektionen sind moralischer Natur:
1. Der persönliche Ehrenkodex: Slim warnt Eli eindringlich davor, sich auf illegale Machenschaften einzulassen, und unterscheidet scharf zwischen Menschen, die aus Not Fehler begehen, und skrupellosen Profiteuren. 2. Das Bewusstsein für verlorene Zeit: Nach Jahrzehnten hinter Gittern begreift Slim den unersetzlichen Wert gelebter Zeit. Seine Sehnsucht, vor seinem Lebensende noch einmal das Meer zu sehen, bildet einen der ergreifendsten Momente der Erzählung.
Indem Dalton einem ehemaligen Häftling wie Slim Halliday den moralischen Kompass der Geschichte anvertraut, zeigt er, dass wahre Aufrichtigkeit im Queensland der 80er Jahre oft an den Rändern der Gesellschaft zu finden war.