Eine erfolgreiche Fernsehserie über zwölfzehntausend Kilometer offenen Ozean hinweg an einen völlig neuen Schauplatz zu verlegen, ist ein produktionstechnisches Wagnis, das selten gelingt. Doch die zweite Staffel von The Tourist nutzte den schroffen geographischen Kontrast zwischen dem glühend heißen Wüstenstaub Südaustraliens und den regenverhangenen, moosbewachsenen Klippen Westirlands meisterhaft, um Elliot Stanleys Suche nach seiner vergrabenen Identität zu vertiefen.
Als Elliot gemeinsam mit Helen Chambers auf der Suche nach Antworten über seine wahren Wurzeln in Dublin eintrifft, gerät er unverzüglich in eine jahrzehntealte Fehde zwischen den verfeindeten Familien McDonnell und Cassidy. Regisseur Fergus O'Brien tauscht die Weite des Outbacks gegen enge georgianische Schutzunterkünfte, nebelverhangene Hafendocks und abgelegene Landsitze ein. Der stilistische Schwenk von der staubigen Survival-Dramaturgie hin zum europäischen Unterwelt-Thriller erlaubte es den Serienschöpfern, Elliots taktische Ausbildung und seine moralische Schuld mit neuer Tiefe zu ergründen.
Das emotionale Zentrum bleibt das Zusammenspiel zwischen Jamie Dornan und Danielle Macdonald. Helens bodenständiger australischer Scharfsinn trifft auf die verworrenen Machtspiele irischer Dynastien, was in verblüffenden Enthüllungen gipfelt, die Elliots Vorstellungen von seiner Vergangenheit grundlegend auf den Kopf stellen. Es zählt zu den überzeugendsten Schauplatzwechseln des modernen Serienfernsehens.